Verkäuferin im Blumenladen am Valentinstag. Das ist kein Zuckerschlecken. Besonders, wenn da keine Frau ist, die du selbst mit Blumen überraschen darfst.
Liebe auf den ersten Blick. Am Valentinstag!
Tauche ein in die verführerisch duftende Welt des Blumenladens »Duftende Rosen der Liebe« und verfalle ihnen.
Zuckrige Komplimente.
Flammende Liebeserklärungen.
Herzzerreißende Gefühle.
Schon wieder Valentinstag! Ulrike sucht immer noch die Frau fürs Leben und bindet für andere Paare Blumensträuße. Doch dann betritt ihre Traumfrau den Laden. Ihre süßen Komplimente sind bestimmt nur Übung. Schließlich kauft sie Blumen!
Ingrid stöhnt. Warum muss ausgerechnet sie die Rosen für ihren Chef abholen? Als hätte sie nicht genügend Arbeit auf dem Schreibtisch. Ihre Meinung ändert sich abrupt, als sie die zauberhafte Blumenverkäuferin mit der rosa Tulpe in der Hand erblickt.
Die farbenprächtigste, lesbische, sapphische Liebesgeschichte des Jahres mit Happy End.


Leseprobe

Es würde ein langer und arbeitsreicher Tag im Blumenladen »Duftende Rosen der Liebe«werden. Wie immer am Valentinstag.
Ulrike schaute über ihren Arbeitsplatz, der im hinteren Bereich des Verkaufsraumes stand, dessen gesamte Bodenfläche mit Blumen in Wassereimern voll gestellt war. Sie wischte sich ihre feuchte Stirn mit dem Handrücken trocken. Endlich hatte sie alle Eimer mit Blumen aufgebaut.
Mit einem zufriedenen Lächeln lehnte sie sich gegen die Holzleiste des Arbeitstisches und ließ ihren Blick prüfend über die Fläche gleiten. Es war perfekt. Genau so, wie es für den Valentinstag sein musste.
Sie seufzte und dachte kurz an ihre eigene, einsame Wohnung, in der auch heute kein Rosenstrauß stehen würde.
Hastig verdrängte sie den Gedanken wieder.
Es gab noch einiges zu tun, bevor sie die Türe aufschließen und den Blumenladen für den Tag öffnen konnte.
Sie öffnete eine der Pappschachteln, die sie auf den großen Arbeitstisch gestellt hatte. Darin lagen Blumenstecker, Dekodraht und weiteres Zubehör mit roten Herzchen, goldenen, ineinander verschlungenen Ringen und Kussmünder aus Plastik. Passend zum heutigen Tag.
Ulrike griff zuerst nach dem harten Plastik der Kussmünder und sortierte die Dekoration in eines der Kästchen am Rand des Arbeitstisches ein. Es musste genügend Arbeitsmaterial bereitstehen, um alle spontanen Wünsche für Blumensträuße erfüllen zu können. Zeit für lange Ausflüge ins Lager oder gar Einkäufe von Material hatte sie heute nicht. Die Drahtrollen lagen sauber aufgewickelt am Tischrand in ihren Vertiefungen und die Scheren standen daneben in ihren Schachteln. Dazu legte sie jetzt den Dekodraht, der mit Herzchengirlanden verdrillt war. Die üblichen Dekorationselemente aus roten Herzen, kleinen Vögeln und Schmetterlingen waren an ihrem Platz. Manche glitzerten im hellen Lampenlicht. Sie füllte die letzten Materialien aus der Pappschachtel um und faltete sie dann zusammen.
Hastig eilte Ulrike mit dem Müll ins Lager. Vorbei an den vielen, bereits fertig gebundenen Sträußen, die bestellt waren. Viele Kunden hatten Blumensträuße vorbestellt. In der Hauptsache handelte es sich um mit Rosenduft besprühte, rote Rosen, die jetzt im Lagerraum im Wasser standen und darauf warteten, abgeholt zu werden. Ulrike hatte sie in den letzten Stunden alleine fertig gebunden, nachdem sich die Teilzeitkräfte Jonas für den Vormittag und Nicole für den Nachmittag krankgemeldet hatten.
Der weiche Stoff ihres T-Shirts rieb über ihre Oberarme. Im Lager war es kühler als im Verkaufsraum. Schnell warf sie den leeren Karton weg und kehrte in den Verkaufsraum des Blumenladens zurück.
Alles war bereit für einen neuen Arbeitstag.
Sie atmete tief ein und aus. Alleine am Valentinstag. Hoffentlich fand sie wenigstens ein paar Minuten in der Mittagszeit, um ihr belegtes Brot zu essen. Letztes Jahr hatte sie es, obwohl Kolleginnen da waren, beinahe nicht geschafft. Leider war es unwahrscheinlich, dass ihre Chefin kurzfristig Ersatz fand oder selbst mitarbeitete.
Der leichte, süße Duft von Nelken und Margeriten vermischt mit dem schweren, verführerischen Duft von noch mehr Rosen hüllte Ulrike ein. Sie atmete bewusst ein. Das half ihr, positiver auf den bevorstehenden Tag zu schauen.
Die Düfte füllten den Verkaufsraum genauso aus, wie die Kübel, in denen all diese Blumen im Wasser auf dem Boden und an den Seitenwänden auf Blumentreppen standen. Dazwischen hindurchzugehen, glich an manchen Stellen einem Weg durch ein Labyrinth.
Das Schaufenster zur Fußgängerzone hin war noch dunkel. Nur das künstliche Licht der Straßenlaternen fiel herein. Der Wintermorgen war trübe, wie es sich für einen Februar gehörte. Im Laufe des Tages sollte es schöner werden. Etwas, was noch mehr spontane Kunden bringen würde. Die Dekoration aus roten Plastikherzen, pinken Luftschlangen und kleinen Rosensträußen im Schaufenster würde sie anlocken.
Ulrike atmete aus.
Wenn sie sich nicht konzentrierte, nahm sie den schweren Duft gar nicht mehr wahr. Genauso wenig wie die vielen Schritte, die sie schon gegangen war, um die Dekoration anzubringen und alle Blumenkübel erst mit Wasser und dann mit den bunten Blüten zu füllen. Sie stemmte ihre Hände in den Rücken. Sie neigte ihren Kopf von rechts nach links, um ihren Nacken zu dehnen, und wackelte mit den Zehen in ihren Schuhen.
Sie griff nach einem Stab, auf dessen Ende ein glitzernder Schmetterling steckte. Sie würde noch ein paar Frühlingssträuße binden, bevor die ersten Kunden kamen. Die gingen immer weg.
Langsam wanderte Ulrike zwischen den Eimern hindurch und ließ sich inspirieren. Das ständige Bücken strengte körperlich an. Sie würde heute Abend wieder jeden Knochen spüren können, wenn sie alleine zu Hause in ihrem Bett lag und von einer Partnerin träumte.
Jeder andere Feiertag, an dem viele Blumen verschenkt wurden, war in Ordnung für Ulrike, aber nicht der Valentinstag, der sie mit ihren achtundzwanzig Jahren wieder an ihre Einsamkeit erinnerte. Sie wünschte sich eine Freundin, die ihr Rosen schenkte und sie mit Aufmerksamkeiten zum Valentinstag verwöhnte.
Ulrike bückte sich und zog eine gelbe Tulpe aus einem Eimer.
Gefunden hatte sie diese Frau fürs Leben bisher nicht. Weder über Dating-Portale noch Dating-Apps, noch in Clubs für Frauen oder auf anderen Veranstaltungen. Geschweige denn bei der Arbeit.
Wie ihre fünf Brüder sie, absolut nicht hilfreich, immer wieder daran erinnerten, war das ihre eigene Entscheidung. Wenn sie ein bisschen Interesse an einem Mann zeigen würde, würden diese ihr mit Freuden viele hübsche Exemplare aus ihrem Freundeskreis vorstellen.
Ein Angebot, das Ulrike ihnen sofort abnahm, aber nicht annahm.
Männer waren ihr zu eckig, rochen herb und interessierten sie ganz einfach nicht. Frauen dagegen hatten schöne Stimmen, weiche Rundungen und sie dufteten wie die vielen Blumen im Laden: einladend, süß und verführerisch.
Sie ging um eine Kurve und fügte eine rosarote und eine schachbrettfarbene Tulpe zur gelben in ihrer Hand hinzu.
Vermutlich würde der eine oder andere ihrer fünf Brüder heute im Blumenladen vorbeikommen, um ihr einen Freund vorzustellen. Sie waren wirklich nett, ihre Brüder. Immer um sie besorgt, immer darauf bedacht, sich um sie zu kümmern. Aber eine hübsche Frau wollten sie ihr nicht vorstellen.
Sie zog ihr Smartphone heraus und tippte in den Geschwisterchat: »Kein Bedarf an Männern heute.«
Es war unwahrscheinlich, dass ihre Brüder sich davon abhalten lassen würden. Aber es war einen Versuch wert.
Ulrike ging im Kreis herum, durch die gewundenen, schmalen Wege im Verkaufsraum weiter und nahm noch mehr Tulpen in verschiedenen Farben in ihren Strauß, bis sie wieder an ihrem Arbeitstisch angekommen war. Aus einem Eimer an der Seite nahm sie grüne Tulpenblätter, die sie als Rahmen um die Blüten legte, bevor sie alles mit dem Blumendraht zu einem Strauß band. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. Es war ein farbenfroher Frühlingsstrauß. Einer, der vor guter Laune sprühte.
Ulrike betrachtete den Strauß und dachte an die Begründung ihrer Brüder: Konkurrenz.
Ulrike schüttelte, wie jedes Mal, den Kopf über diese sinnlosen Ängste und Bedenken. So wie jede Blüte anders war, so hatte doch jede Person andere Wünsche.
Ihre Brüder ließen sich davon nicht überzeugen. Aus deren Sicht war jede Frau eine potenzielle Partnerin. Das galt selbst dann, wenn diese sich nur für Frauen interessierte. Immerhin akzeptierten ihre Brüder Ulrikes Wünsche insofern, als sie weiter miteinander redeten. Ganz im Gegensatz zu ihrer alten Schulfreundin Rita, die sich endlich getraut hatte, zu Hause auszuziehen und sich auf den ersten Blick in ihre Mitbewohnerin im Studentenwohnheim verliebt hatte. Den Eltern und Geschwistern hatte Rita, zumindest bei Ulrikes letztem Telefonat mit ihr, nichts davon erzählen wollen.
Ulrike stellte den Blumenstrauß in einen Wassereimer, strich sich über ihre blonden Locken und prüfte, dass alle Strähnen noch fest in ihrem Pferdeschwanz zusammengebunden waren. Nichts war ärgerlicher bei der Arbeit, als in Blumendraht verhedderte Haarsträhnen, welche die Arbeit zunichtemachten und schmerzhaft an ihrer Kopfhaut rissen.
Ihr Smartphone vibrierte. Sie las die Antworten ihrer Brüder: »Natürlich kommen wir dich besuchen.« – »Wo sonst, als bei dir, sollen wir unsere Blumen heute kaufen?« – »Guter Witz.«
»Dann dürft ihr verkaufen, während ich Mittagspause mache«, schrieb Ulrike zurück.
Ihre Brüder schickten ihr lachende Smileys.
Ulrike verdrehte die Augen und steckte ihr Telefon weg. Es war einen Versuch wert gewesen, sich diese Diskussion zu ersparen. Andererseits freute sie sich fast schon darauf, ihre Brüder zu sehen.
Es war immer lustig mit ihnen.
Sie sah sich im Laden um. Alles war bereit. Die runde Uhr an der Seitenwand zeigte eine Minute vor zehn. Die Straßenlaternen vor dem Schaufenster waren erloschen, und das Tageslicht fiel durch die Dekoration herein. Zeit, die Eingangstüre für die Kunden zu öffnen. Der erste Kunde, in einem dunkelblauen Anzug, stand schon davor.
Ulrike setzte ein Lächeln auf. Sie nahm den Schlüssel vom Haken an der Wand und ging zügig durch das Labyrinth aus Blumen in Wassereimern zur Türe.
Den Mann kannte sie bereits. Er kam einmal die Woche und kaufte einen Strauß rosa Rosen für seine Frau, mit der er seit zwanzig Jahren glücklich verheiratet war. Das hatte er ihr erzählt, als er für seinen Hochzeitstag rote statt rosafarbener Rosen ausgewählt hatte.
Sie drehte den Schlüssel im Schloss herum, schwang die Tür auf und sagte: »Guten Morgen und herzlich willkommen bei den duftenden Rosen der Liebe.«
Der Name des Blumenladens war wunderschön. Aber eben nicht am Valentinstag. Dabei hatte sie sich letztes Jahr fest vorgenommen, dieses Jahr am Valentinstag Urlaub zu nehmen. Wie hatte sie das nur vergessen können? Am besten, sie schrieb es sich für nächstes Jahr gleich in den Kalender, damit ihr das nicht wieder passierte.
»Guten Morgen, Ulrike«, sagte der Mann und trat ein.
Wie alle anderen Floristinnen, die hier arbeiteten, trug Ulrike ein grünes Poloshirt, das rechts über der Brust ihren aufgestickten Vornamen zeigte. Für die Kundenbindung oder so ähnlich.
Statt nach ihrem Smartphone in der Hosentasche zu greifen und sich eine Erinnerung zu schreiben, konzentrierte Ulrike sich auf den Mann und fragte: »Ein Strauß rosa Rosen, wie immer? Oder steht Ihnen heute der Sinn nach roten Rosen für den Valentinstag?«
»Ein gemischter Strauß, bitte. Rot und Rosa.«
Der Mann lächelte sie freundlich an.
Ulrike holte Rosen in beiden Farben. Sie atmete ihren süßen Duft ein, steckte für die Ausgewogenheit ein paar Zweige mit grünen Blättern und einen Stab mit einem roten Herz dazu und wickelte den Strauß sorgfältig ein.
Kaum dass der Mann bezahlt hatte und gegangen war, kamen bereits die nächsten Kunden. Laufkundschaft, die sich umsah und spontan auswählte oder beraten werden wollte. Von Studenten in Jeans, über Geschäftsleute im Anzug, bis zu Rentnern in gemütlichen Stoffhosen war alles dabei. Nur keine hübsche Frau.

Ende der Leseprobe „Herz aus roten Rosen“


Den Kurzroman »Herz aus roten Rosen« findest du bei allen üblichen Online Händlern als eBook. An vielen Stellen wirst du auch die Taschenbuchausgabe finden.
Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.
Schreib mir gerne, wie dir das Buch gefallen hat.
Wenn du über meine Neuerscheinungen zukünftig als Erste informiert werden willst, abonniere meinen Newsletter.
