Im Kaufhaus trifft Laura auf Paula. Was als Suche nach einem Kleid beginnt, entwickelt sich zu einer romantischen, überraschenden Liebesgeschichte.
Laura steht vor zwei Problemen: Was soll sie anziehen zur Hochzeit ihrer Schwester? Wen soll sie als Begleitung mitnehmen, um dem verhassten Singletisch zu entkommen?
Die Kleiderfrage löst Laura pragmatisch mit einem Besuch in der Abteilung für Abendkleider des nächsten Kaufhauses. Dort lernt sie die süße Paula mit dem lustigen Bob und den funkelnden blauen Augen kennen.
Keines der vielen Kleider fasziniert Laura so sehr wie Paula. Paula, die immer wieder neben ihr auftaucht. Geht es ihr genauso? Warum sollte sie sonst eine von Lauras Locken um ihren Zeigefinger wickeln?
Findet Laura den Mut, auf Paula zuzugehen? Kann es so einfach sein, die Frau fürs Leben zu finden?

Eine süße Kurzgeschichte, die von den kleinen Momenten und unerwarteten Begegnungen erzählt, welche zur großen Liebe führen.

Leseprobe

Weiß, dick und schwer lag die aufgeklappte Karte mit der Hochzeitseinladung in Lauras Hand. Die goldenen, verschnörkelten Buchstaben passten perfekt zu der teuer aussehenden Karte.
Der Inhalt ihres Kleiderschrankes passte nicht zu der Einladung.
Was sollte sie anziehen?
Laura freute sich für ihre große Schwester Maria, die den Mann ihrer Träume gefunden hatte, und wünschte ihr alles Gute in der Ehe.
Sie selbst stellte die Einladung vor gleich zwei Probleme.
Problem eins: Was sollte sie anziehen? Einkaufen war nicht das, woran sie Freude hatte.
Problem zwei: Wen sollte sie mitbringen? Sie hatte keine feste Freundin und alleine wollte sie in keinen Fall zu einer Hochzeit kommen, auf der ansonsten mehrheitlich Paare waren. Mit Grausen erinnerte sie sich an die letzte Hochzeit, zu der sie eingeladen gewesen war: Es hatte einen extra Tisch für alle Singles gegeben. Damit sie jemanden kennenlernten. So schrecklich wie auf diesem Präsentierteller hatte Laura sich noch nie gefühlt.
Es war schrecklich genug gewesen, dass Laura es ernsthaft in Erwägung zog, die Einladung abzulehnen.
Sie schaute die Karte in ihren Händen nochmals genau an. Es wäre schade, wenn sie die Hochzeit ihrer Schwester verpasste, nur, weil sie keine geeignete Begleitung hatte.
Ihre Schwester Maria hatte sich viel Mühe gegeben. Oder viel Geld in den Druck investiert. Sogar ein Foto von Maria und ihrem zukünftigen Ehemann war auf der Vorderseite abgedruckt. Eingefasst in einem Rahmen aus weißen und rosafarbenen eingeprägten Rosen.
Auf der Rückseite entdeckte sie eine handschriftliche Nachricht: »Wirst du meine Trauzeugin sein?«
Laura las die mit blauer Tinte elegant gemalten Buchstaben ein zweites Mal. Sie sollte die Trauzeugin werden? Dann konnte sie nicht nur nicht absagen, sondern musste auch ein schönes Kleid finden. Schließlich würde sie neben der Braut im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wo alle Gäste sie sahen.
Laura stellte die Karte auf das schmale Schränkchen, über dem ihr Jahresplaner hing. Noch zwei Tage bis Silvester, knapp drei Monate bis zur Hochzeit. Drei Monate, in denen sie jede Menge Projekte bei der Arbeit hatte. Projekte, die Überstunden bedeuteten. Überstunden, die keine Zeit zum ausgiebigen Einkaufen und Kleidung anprobieren übrig lassen würden. Oder zum Finden einer Partnerin.
Heute war der Tag leer, genauso wie morgen. Sie hatte sich, als Belohnung für den erfolgreichen Abschluss verschiedener Projekte, zwei Tage Urlaub gegönnt. Zwei Tage lang nichts tun. Tee trinken, Bücher lesen, Filme schauen und spazieren gehen. Genau von so einem Spaziergang kam sie gerade nach Hause. Sie hatte noch ihre Winterstiefel und die gefütterte Jacke an. Langsam wurde es ihr im Flur damit zu warm.
Wieder schaute sie auf den Briefumschlag, den sie auf dem schmalen Schränkchen abgelegt hatte.
Eigentlich war es ihr Plan gewesen, sich jetzt umzuziehen und dann einen heißen Tee zu trinken. Aber wenn sie auf ihren Kalender schaute und an das Neue Jahr dachte, dann war es am besten, sie kehrte um und ging in die Stadt zum Einkaufen.
Laura lächelte sich selbst im Spiegel aufmunternd zu, griff nach ihrer Handtasche mit dem Geldbeutel und ging wieder zur Wohnungstüre hinaus. Einen Tee würde sie unterwegs bekommen. Vielleicht sogar mit einem leckeren, veganen, belegten Brötchen? Sie würde sich überraschen lassen.
Draußen marschierte Laura im Stechschritt durch die Seitenstraßen bis zur nächsten Bushaltestelle. Sie traf gemeinsam mit dem Bus an der Haltestelle ein und stieg ein. Bis ins Stadtzentrum war der Weg zu weit zum Laufen. Dafür hatte sie hier am Stadtrand ein kurzes Stück bis zum nächsten Wald. Auch wenn sie selten dazu kam, einen Waldspaziergang zu machen, genoss sie die Ruhe, die sie am Stadtrand hatte.
Draußen am Fenster zogen die Fassaden der Häuser vorbei. Je näher sie der Innenstadt kamen, umso größer wurden die Gebäude.
Laura hing ihren Gedanken nach und der Frage, wen sie als Partnerin zur Hochzeit mitnehmen konnte. Natürlich hatte sie Freundinnen, aber keine davon teilte ihre Liebe für Frauen, sodass keine davon als ihre Begleitung zu einer Hochzeit mitkommen würde. Sie könnte einen ihrer Kumpel vom Bouldern fragen. Fair wäre das nicht, da sie sicher mit dem Trauzeugen tanzen müsste, sodass er mehr als Dekoration dabei war. Immerhin wäre es eine Lösung für den äußersten Notfall.
Alles war besser als der Singletisch!
Die Stimme vom Tonband sagte »Nächster Halt: Stadtmitte.«
Laura drückte auf den roten Haltewunschknopf an einer der Haltestangen und stand auf und stieg aus.
Sie schlenderte von der Bushaltestelle in die Fußgängerzone mit den vielen Kaufhäusern und Läden hinein. Die Bäume waren weihnachtlich mit Lichterketten geschmückt, und der Duft von warmen, gebrannten Mandeln stieg ihr von einem weihnachtlich geschmückten Stand in die Nase. Passend zur kalten Luft und Jahreszeit. Auch, wenn der Schnee fehlte.
Um sie herum liefen viele andere Menschen. Manche schlenderten dahin, so wie sie selbst, andere rannten beinahe. Offensichtlich hatten sie Termine.
Vielleicht überlegte sie, sollte sie es nochmals mit einer der vielen Dating-Apps probieren. Nicht, dass es bei ihrem letzten Versuch erfolgreich gewesen war, vielleicht war jetzt ihre Traumfrau oder die Frau für die Hochzeitsbegleitung dort zu finden.
Sie ging am Holzhaus mit den gebrannten Mandeln und Lebkuchenherzen vorbei.
Laura entschied sich für das erste der mehrstöckigen, großen Kaufhäuser und trat durch das warme Gebläse und die offenen Glastüren hinein.
Sofort wurde die Geräuschkulisse lauter. Gespräche, Rufen, summende Rolltreppen. Die vielen Kleiderständer mit den rabattierten Kleidern konnten den Schall nicht dämpfen.
Sie ging auf die Rolltreppe zu und las das Schild durch. Abendgarderobe für Damen war im zweiten Stock.
Während Laura auf der Rolltreppe wartete, zog sie den Reißverschluss ihrer Winterjacke auf. Hier drinnen war es viel zu warm für ihre Jacke.
Im zweiten Stock angekommen, sah sie sich um. Überall auf den Kleiderständern hingen festliche Blusen und passende Hosen dazu. Ein paar der Dekorationspuppen waren hübsch angezogen. Passend für Weihnachten oder Silvester funkelte es überall und die vorherrschenden Farben waren Rot und Grün. Aber das war nicht das, was sie suchte.
Sie ging langsam zwischen den Kleiderständern hindurch, wich anderen Kunden aus, die dort nach der passenden Größe suchten, und sah sich um. Schließlich entdeckte sie die viel höheren Kleiderständer mit den Abendkleidern auf der anderen Seite des weitläufigen Stockwerkes. Trotz des gut beleuchteten Stockwerkes schafften die mit Glitzersteinen und Pailletten reich verzierten Kleider, die am Anfang der Kleiderständer hingen, mit ihrem Funkeln aufzufallen.
Laura ging langsam um alle Kleiderständer herum. Ihre Winterjacke hatte sie unter den Arm geklemmt. Mit ihrer freien Hand schob sie hier und da ein paar Kleider auseinander, um sie ein Stück von vorn sehen zu können. Bei anderen strich sie sanft über den Stoff, um zu fühlen, ob er ihr gefallen könnte.
Die Stoffe fühlten sich unter ihren Fingerspitzen ganz verschieden an. Einige waren weich und fließend an. Einige fühlten sich warm an, andere kühl. Wieder andere waren aus steifer Spitze und fühlten sich hart an.
Hier hingen Kleider in allen Farben. Mit weit schwingenden Röcken, die bis zum Boden reichten und vor dem Tragen gekürzt werden mussten, und solche mit kurzen, engen Röcken.
Laura drehte eine zweite Runde zwischen den Kleiderständern.
Weiß als Farbe fiel aus, genauso wie alle Creme- und Rosatöne. Das waren die Farben, die für die Braut reserviert waren. So wie sie Maria, ihre große Schwester kannte, würde sie in einem weißen Kleid kommen. Passend zur teuren, in Goldschrift ausgeführten, Einladungskarte.
Ein blaues Kleid mit Spitze und Eines mit funkelnden Steinen fiel Laura ins Auge. Sie drehte beide Kleider hin und her und nahm sie schließlich mit zu den Umkleiden.
Zum Glück gab es keine Schlange, und sie fand sofort eine freie Kabine.
Sie zog das blaue Kleid mit den funkelnden Steinen auf dem Oberteil und am Saum des Rockes an. Der Stoff fiel weich und anschmiegsam über ihren Oberkörper und schwang wirbelnd um ihre Beine. Die Steine sorgten dafür, dass der Rock gleichmäßig nach unten fiel. Als sie aus der Kabine trat, um sich in den Spiegeln im Umkleidegang anzusehen, schwang der Rock angenehm um ihre Beine.
Neben ihr trat eine Frau mit einem kurzen, braunen Bob aus der Umkleidekabine. Sie trug das gleiche Modell in Waldgrün.
Im Spiegel, nebeneinander stehend, sah das sehr hübsch aus.
»Wunderschön«, murmelte Laura.
Sie schaute die Frau an, die sich neben ihr im Spiegel spiegelte.
Die Frau mit dem braunen Bob lachte, drehte sich schwungvoll im Kreis, sodass der Rock hochflog und nickte.
»Ein sehr schönes Kleid, das stimmt«, sagte sie.
Laura lauschte verzückt der warmen Stimme, die so gut zu dem warmen Braunton des kurzen Bobs passte.

Ende der Leseprobe „Rotes Kleid der Liebe“


Die Kurzgeschichte »Rotes Kleid der Liebe« findest du bei allen üblichen Online Händlern als eBook. An vielen Stellen wirst du auch die Taschenbuchausgabe finden.
Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.
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