Steine auf dem Gleis der Liebe


Zuneigung auf den ersten Blick?

Ja!

Liebe auf den ersten Blick?

Niemals!

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Clarissa glaubt, Liebe schlägt nicht ein wie ein Blitz. Erst recht nicht am Freitagabend an einer S‑Bahn‑Station. Bis Viktoria die Treppe herunterkommt und alles ins Wanken bringt. Clarissa muss Viktoria einfach ansprechen.

Viktoria reagiert zurückhaltend. Sie hat zu viele aufdringliche Anmachsprüche erlebt und versteckt sich lieber in Latzhose und Turnschuhen. Aber eine Frau mit einer verführerischen Ansprache? Das kennt Viktoria nicht. Clarissas Attraktivität zieht Viktoria an, obwohl sie weiß, dass Clarissa nur Ärger bedeutet.

Ein kurzer Flirt. Eine unerwartete Verbindung. Zwei Frauen mit unterschiedlichen Schutzmechanismen und ein Augenblick, der mehr verändert als geplant.

Urban, zärtlich und überraschend. Ein lesbischer Kurzroman über vorsichtige Annäherung, Mut zur Verletzlichkeit und ein warmes Happy End.

Leseprobe

Clarissa starrte auf die geschlossenen Türen der S-Bahn.

Das harte Plastik des Türknopfes bewegte sich kaum unter ihren Fingern. Gleichgültig, wie fest sie drückte.

Das Licht am Türknopf war bereits erloschen!

Sie war um Sekunden zu langsam gerannt!

Am liebsten hätte Clarissa ihren Frust herausgelassen und gegen die geschlossene Türe getreten.

Das tat sie natürlich nicht! Schließlich hatte sie Manieren! Nicht so, wie der Kerl eine Tür weiter, der mit dem Fuß dagegentrat, dass es knallte und die Türe zu vibrieren schien. Es half ihm nichts. Die Türe der S-Bahn blieb verschlossen.

Stattdessen seufzte Clarissa und unterdrückte ihre Reaktion. Sie lächelte bewusst in die Gesichter der Leute, die in der S-Bahn saßen und standen, durch die Fenster heraussahen und sie anstarrten. Nur nicht auffallen!

Jetzt musste sie eine halbe Stunde warten, bis die nächste S-Bahn fuhr. Sie würde es überleben. Wie immer, wenn etwas nicht so lief im Leben, wie sie es sich wünschte.

Hinter ihr stampften hastige Schritte über den Fliesenboden des unterirdischen Bahnsteigs.

Noch jemand, der gleich enttäuscht sein würde.

Clarissa trat mit wackligen Beinen von der Türe zurück. Zurück hinter die weiße Linie, um Abstand zu bekommen vom gleich startenden Fahrtwind. Immerhin hatte sich ihr Atem beruhigt. Nur ihr Herz klopfte heftig und ihre Beine fühlten sich vom Rennen wie Wackelpudding an. Durch die Lautsprecher klangen die üblichen Ansagen: »Bitte zurücktreten.« Der Elektromotor der S-Bahn summte auf.

Die hastig stampfenden Schritte kamen näher. Sie wurden langsamer.

Clarissa sah den Bahnsteig entlang.

Gab es eine freie Bank, auf die sie sich setzen konnte, während sie wartete?

Ratternd setzten sich die drei Wagen der S-Bahn in Bewegung.

»So ein Mist!«, schimpfte eine helle Stimme hinter ihr, die auffällig warm und voll war. »Jetzt muss ich eine halbe Stunde warten!«

Das waren ihre eigenen Gedanken gewesen!

Clarissa drehte sich zu der Stimme um. War das ein Mädchen oder eine Frau, die da schimpfte?

Sie hätte auf ein junges Mädchen getippt, ausgehend von der Stimmlage. Stattdessen stand da in Latzhosen und mit in die Hüften gestemmten Armen eine Frau, die aussah, als wäre sie ebenso Mitte dreißig, wie Clarissa selbst. Eine Frau, die ihren eigenen Kleiderstil hatte, denn die Latzhose war sauber und ohne Löcher. Die braunen Haare waren ihr aus dem Gesicht gekämmt. Einige Haarnadeln an der Seite deuteten an, dass sie einen langen Pony oder eine stufige Frisur hatte.

Ihre Stirn war gerunzelt und ihre Lippen zusammengepresst. Die Frau sah sympathisch aus. Süß. Weiblich. Als könnte Clarissa sich in ihre Arme sinken lassen und ankuscheln, ohne zu befürchten, dass sie zu schwer sein könnte. Nicht, dass sie selbst besonders schwer war. Ihr Gewicht war gut. Nur trainierten die meisten Frauen nicht und hatten kaum die Kraft, sich selbst, geschweige denn jemand anderen, festzuhalten.

Was waren denn das für Gedanken? Clarissa wunderte sich über sich selbst. Das dachte sie sonst nicht, wenn sie eine fremde Frau sah. Was war an dieser brünetten Frau in Latzhosen anders? Die selbstbewusste Art, wie sie hier stand? Die Energie, welche sie ausstrahlte? Oder ihre warme, volle Stimme, welche Clarissa gerne wieder hören wollte?

Sie musste die andere Frau ansprechen. Sonst würde sie es nicht herausfinden und sich in alle Ewigkeit fragen, was gewesen wäre, wenn sie die andere Frau angesprochen hätte.

Clarissa schluckte trocken.

Normalerweise sprach sie Fremde nicht an. Schon gar nicht auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofes. Aber bei dieser Frau sagte ihr Bauch »Ja«. Er brüllte sie geradezu an, diese Frau anzusprechen und auf sie zuzugehen.

»Sollen wir zusammen warten?«, fragte Clarissa.

Ihr Herz pochte und ihre warme Jacke über der Bluse war mit einem Mal doppelt so warm wie bisher.

Die Frau wandte sich von der S-Bahn ab, die schneller ratterte, und drehte sich zu Clarissa um.

Ein warmes, ungewohntes Gefühl breitete sich in Clarissa aus, als die Frau sie ansah. Es war ein neues Gefühl für sie, diese spontane Zugewandtheit zu einer fremden Frau. In ihrem Leben war Clarissa davon ausgegangen, dass sie Menschen erst gründlich kennenlernen musste, bevor sie sich entschied, ihnen eine Art von Zuneigung, freundschaftlicher oder partnerschaftlicher Art, entgegenzubringen.

Hier passierte das Gegenteil und sie hatte keine Erklärung dafür.

»Zusammen?«, fragte die Frau und aus den senkrechten Falten auf ihrer Stirn wurden waagrechte Falten, weil sie die wunderschön geschwungenen Augenbrauen nach oben zog. Der warme Klang ihrer Stimme war wie eine Umarmung.

Clarissa hielt sich selbst davon ab, auf die andere Frau zuzutreten und sie in den Arm zu nehmen. Das war absolut unangemessen!

Clarissa nickte stattdessen nachdrücklich. Ihr Bauch verlangte weiter danach, diese Frau besser kennenzulernen. Leider verriet er ihr nicht, wie sie das machen musste. Alle bisherigen Partnerinnen hatte sie lange gekannt, bevor sie eine Beziehung zu ihnen begonnen hatte.

Clarissa spürte den prüfenden Blick der anderen, die sie von oben bis unten musterte. Ihr wurden ihre eigenen, zerzausten, blonden Haare bewusst, die sie sich vorhin im Büro gerauft hatte, als sie über ein komplexes Problem nachgedacht hatte. Das Kämmen mit den Fingern hatte es unwesentlich besser gemacht. Mit ihrer gefütterten Winterjacke fiel sie nicht so auf, sehr wohl aber mit ihrer gebügelten Stoffhose, die nicht zu den Winterstiefeln, aber zu den Büroschuhen in ihrem Rucksack passte.

Der Fahrtwind der davonfahrenden S-Bahn blies Clarissa ins Gesicht. Sie blinzelte. Sie spürte die losen Strähnen um ihren Kopf herum wehen und weiter zerzausen.

Die andere Frau musterte sie weiter schweigend.

Vielleicht sollte sie sich lieber umdrehen und davongehen?

Clarissa war sich unschlüssig. Ihr Bauch wollte bleiben. Ihr Kopf war sich sicher, dass sie einen Fehler gemacht hatte, diese Frau anzusprechen!

Das Rattern der S-Bahn verklang in der Ferne. Der Wind erstarb.

»An Gleis 101 fährt ein, die S-Bahn nach«, schnarrte die Ansage über die Lautsprecher. Andere Leute schoben sich an ihnen vorbei näher an die Bahnsteigkante heran. Irgendwo fiel etwas knallend auf den Boden. »Bitte zurückbleiben«, endete die schnarrende Lautsprecherdurchsage vom Band.

Clarissa schreckte aus ihren Gedanken auf.

»Entschuldigung. Das war voreilig von mir, Sie anzusprechen«, sagte Clarissa und stolperte beim Sprechen über ihre eigenen Worte. »Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.«

Sie drehte sich schnell um. Das Gewicht ihres Rucksacks durch den Schwung an ihren Schultern. Sie ging hastig, Schlangenlinien laufend, um niemanden anzurempeln, den Bahnsteig hinunter. Ihr Rucksack hüpfte dabei unangenehm auf ihrem Rücken auf und ab. Wenigstens funktionierte ihre dicke Winterjacke als Polster. Sie musste die Träger nachstellen, überlegte Clarissa. Im Stechschritt ging sie weiter und sah sich um. Es war keine leere Bank zu sehen. Sie würde am anderen Ende des Bahnsteiges auf die nächste S-Bahn warten. Weit weg von der anderen Frau. Weit weg von der peinlichen Situation, die sie verursacht hatte. Weit weg von der warmen Stimme, welche sie so gerne wieder hören würde.

Clarissa wich einem Rollstuhl aus und vergrub ihre Hände in den Jackentaschen.

Die nächste S-Bahn rauschte in die Station. Das Metall der Bremsen quietschte.

Was hatte sie sich dabei gedacht, die andere Frau anzusprechen? War sie übergeschnappt, so auf ein Bauchgefühl zu hören? Das tat sie sonst nicht!

Eine Gruppe Kindergartenkinder lachte und die Eltern standen darum herum. Clarissa lief eine große Kurve um die Gruppe herum. Leute drängten vorwärts zur eingefahrenen S-Bahn. Clarissa ging auf der anderen Seite des Bahnsteiges weiter.

Vermutlich lag es daran, dass sie sich eine Freundin wünschte. Eine Partnerin, neben der sie aufwachen und einschlafen konnte. Wenn sie bereits eine fremde Frau ansprach, sollte sie lieber wieder eine Mitgliedschaft auf einer Dating-Seite in Betracht ziehen. Die Frauen dort würden erwarten, von ihr angesprochen zu werden. Leider waren diese Plattformen bisher eine große Pleite gewesen.

Clarissa sah sich um. Es standen viele Frauen auf dem Bahnsteig. Die Türen der neu eingefahrenen S-Bahn öffneten sich. Passagiere stiegen aus und ein. Bei keiner Frau, die sie sah, rief ihr Bauch »sprich sie an!«. Stattdessen dachte sie wieder an die Frau mit der Latzhose und den braunen Haaren, die streng zurückgekämmt und zurückgesteckt waren. Sie wollte ihr gerne die Haarnadeln aus der Frisur ziehen und herausfinden, wie lange ihre Haare waren.

Das war seltsam.

Normalerweise wollte sie lieber, dass ihre Partnerin mit ihren Haaren spielte, sie kämmte und frisierte, als dass sie selbst diesen Wunsch hatte.

Wirklich merkwürdig.

Vielleicht brauchte sie Urlaub? Eine schöne, lange Wanderung durch einen Wald in einem Naturschutzgebiet würde sie erholen. Sie könnte den Vögeln lauschen und die Düfte von harzigen Nadelbäumen und süßen Blumen atmen.

Clarissa dachte daran, dass es eine Weile dauern würde bis zum Winterurlaub über Silvester. Ihr Jahresurlaub lag ein paar Wochen zurück. Die Erholung war wie weggeblasen. Sie musste explizit an ihren Urlaub denken und ihn sich vorstellen, um einen Hauch der Entspannung zu spüren, die sie damals genossen hatte. Dann konnte sie wieder das Gefühl rauer Borke unter ihren Handflächen fühlen. Genauso, wie den Geschmack von bitteren Löwenzahnblättern in ihrem Mund, die sie bei einer Kräuterwanderung probiert hatte.

Clarissa ging langsam weiter. Wieder wanderten ihre Gedanken zu der braunhaarigen Frau mit der Latzhose. Sie war müde von der langen Woche im Büro. Sonst hätte sie die Frau niemals angesprochen! Oder? Ihr Bauch grummelte und wollte, dass sie zurückging.

Ende der Leseprobe „Steine auf dem Gleis der Liebe“

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Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.
Schreib mir gerne, wie dir das Buch gefallen hat.

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