Wer ist die Neue, die sich an Silvester in ihrem WG-Zimmer versteckt?
Ein Funke, der überspringt. Zwei Herzen, die füreinander schlagen. Ein schillerndes Silvesterfeuerwerk, welches den Himmel erleuchtet und mit lautem Knallen zwei Herzen für immer miteinander verbindet.
Tanja sehnt sich danach, das Silvesterfeuerwerk durch das Fenster auf der anderen Seite ihrer WG zu beobachten. Das Problem: Dort ist genau heute eine neue Mitbewohnerin eingezogen, die sich in ihrem Zimmer versteckt.
Rita verwirklicht ihren Traum: einen neuen Job, ihr erstes, eigenes Zimmer, eine fremde Stadt. Wer klopft so spät am Abend an ihre Zimmertüre?
Die Lebkuchendose in der Hand und ein Lächeln auf den Lippen stellt sich Tanja vor. Ritas wilde, dunkle Locken und ihr süßes Lächeln entzünden ein unerwartetes Funkeln in Tanjas Herzen. Rita spürt die Silvesterböller, als würden sie in ihr selbst explodieren vor Freude.

Ein Funke, der überspringt. Zwei Herzen, die füreinander schlagen. Ein schillerndes Silvesterfeuerwerk, welches den Himmel erleuchtet und mit lautem Knallen zwei Herzen für immer miteinander verbindet.
Ein sapphischer Silvesterkurzroman mit Happy End.

Leseprobe

Tanja
Noch eine Stunde bis Mitternacht. Eine Stunde, bis das neue Jahr begann. Eines, bei dem Tanja kein Feuerwerk sehen würde, weil ihr WG-Zimmer in die falsche Richtung zeigte und Jonathan, von dessen Fenster aus sie die letzten zwei Jahre das Feuerwerk betrachtet hatte, vorgestern ausgezogen war.
Wer wohl jetzt in Jonathans Zimmer wohnte? War die oder die neue Studentin oder Student bereits eingezogen?
Tanja klapperte mit ihrem Schlüsselbund, bevor sie ihn in die vordere Tasche ihrer Jeanshose steckte. Die Küche mit dem Esstisch, welche als Treffpunkt und Gemeinschaftsraum der WG diente, sah wie vor ihrer Abreise aus. Der hellbraune Holztisch war abgeräumt, und auf dem Abtropfbrett neben dem Spülbecken standen ein paar abgewaschene Töpfe und warteten darauf, in den Schrank geräumt zu werden.
Die Umzugskartons im Eingangsbereich waren verschwunden und es standen keine neuen herum.
Tanja schloss die Wohnungstüre hinter sich und ging zu ihrer Zimmertüre, die sie mit einem Schlüssel von ihrem Schlüsselbund aufschloss. Weihnachten bei ihren Eltern war schön gewesen. Jetzt öffnete sie die Tür und lächelte, beim Anblick ihres eigenen Zimmers war sie froh, wieder hier zu sein.
Sie setzte ihren Rucksack ab, packte Kleidung und ein paar Vorräte aus. Die Dosen mit den Resten vom Weihnachtsessen stellte Tanja in den Kühlschrank. Außer ihr schien niemand hier zu sein, denn alles war leer, abgesehen von ein paar vergessenen Tuben mit Tomatenmark, einem Glas Senf und einem halb leeren Glas Essiggurken in einer Ecke.
Die anderen WG-Mitbewohner waren von ihren Weihnachtsferien zu Hause oder anderswo noch nicht zurück. Tanja wusste nicht, wo sie waren, oder wann sie zurückkommen würden. Außer mit Jonathan hatte sie mit keinem viel Kontakt. Sie sah sie selten und dann verschwanden sie meist mit einem Fertiggericht in ihren Zimmern.
Schade, wo die Studienzeit dafür da war, neue Leute kennenzulernen.
Tanja zuckte mit den Schultern, ging in ihr Zimmer zurück und machte sich daran, an ihrer Seminararbeit für das Mastersemester weiterzuschreiben. In den letzten Tagen hatte sie alles, was mit der Uni zu tun hatte, ausgeblendet und Urlaub gemacht. Trotzdem musste die Arbeit bis zum baldigen Abgabeschluss fertig geschrieben sein. Es fehlten etliche Seiten.
Zum leisen Klang der Klaviermusik, die sie über ihre Kopfhörer hörte, vertiefte sich Tanja in die Arbeit. Die meisten Quellen hatte sie ausgewertet und sich dazu Notizen gemacht. Ihre Finger tippten auf der Tastatur einen Satz nach dem anderen. Ganz in ihre Arbeit vertieft merkte Tanja nicht, wie aus dem fahlen Grau des späten Vormittags das trübe Grau des Nachmittags und schließlich das Schwarz des frühen Winterabends wurde.
Bis ihr Magen knurrte.
Sie lehnte sich in ihrem Holzstuhl zurück und reckte und streckte sich. Ihre Lippen spannten trocken. Sie hatte das Trinken vergessen!
Dafür war sie mit dem Schreiben ein gutes Stück vorangekommen. Neben der Überarbeitung der Einleitung hatte sie bei allen Kapiteln die Stichpunkte erweitert, um die es gehen sollte, und das erste Kapitel mit Text versehen.
»Zeit für etwas zu essen und eine Tasse heißen Tee«, sagte Tanja laut zu sich selbst und stand auf.
Sie legte ihre Kopfhörer neben dem Laptop auf den Schreibtisch und ging in die Küche. Dort füllte sie den Wasserkocher auf der Arbeitsplatte mit frischem Wasser und schaltete ihn ein. Ein Glück, dass das Haus, in dem ihre WG lag, zentral beheizt wurde und sie sich nicht darum kümmern musste. Es war angenehm warm in der Küche.
Während das Wasser anfing zu blubbern und zu gurgeln, öffnete Tanja die Schranktüre des Hängeschränkchens über der Arbeitsplatte und holte sich eine große Tasse herunter. Aus ihren Vorräten in ihrem Zimmer holte sie sich zwei Teebeutel vom süß nach Zimt duftenden Weihnachtstee, den sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte.
Aus Jonathans Zimmer hörte sie Geräusche.
Mit dem Teebeutel in der Hand blieb Tanja stehen und lauschte.
Da war es wieder, das dumpfe Rumpeln und dann ein schleifendes Schieben. Es klang, als würden Regale umgeräumt oder Kisten hin und her gestellt.
Sollte sie hinübergehen, an der Türe klopfen und sich vorstellen?
Tanja hängte die beiden Teebeutel in ihre Tasse. Der Wasserkocher schaltete mit einem Klick ab und sie goss den Tee auf. Süß breitete sich das Aroma von Zimt aus.
Tief atmete Tanja den heißen, duftenden Dampf ein, der aus der Tasse aufstieg, und legte ihre Hände darum. Auch, wenn es in der Küche warm war, wärmte eine heiße Tasse Tee zwischen den Händen anders und viel sinnlicher als eine Fußbodenheizung.
Das Rumoren, Schieben und dumpfe Rumpeln im Zimmer ging weiter.
Sie würde, beschloss Tanja, später klopfen. Wenn die neue Mitbewohnerin nicht herauskam, obwohl sie sicher gehört hatte, dass Tanja in der Küche war, war sie vermutlich beschäftigt. Da wollte Tanja sie nicht unterbrechen. Außerdem wartete ihre Hausarbeit auf sie. Es war erst drei Uhr. Ihr knurrender Magen konnte noch eine Stunde warten, bevor sie die Reste aus dem Kühlschrank aufwärmte.
Tanja ging zurück in ihr Zimmer und setzte die Kopfhörer auf. Der weihnachtliche, süße Duft des heißen Tees erleichterte ihr die Arbeit, und bald war sie wieder im Schreiben vertieft und bekam nichts mehr um sich herum mit.
Zwei Stunden später war nicht nur der Tee ausgetrunken, ihr Magen knurrte auch so laut, dass sie den Laptop ausschaltete und die Arbeit beendete.
Tanja wärmte sich die Pilzsoße in einem Topf auf, schnitt die Kartoffelknödel in Scheiben und briet sie in einer Pfanne an. Dazu schnitt sie sich zwei Äpfel zum Naschen auf und bemühte sich laut zu klappern. Vielleicht würde die neue Person in der WG sich eher zu ihr gesellen, wenn sie hörte, dass die Geräusche in der Küche länger anhielten?
Mit ihrem Teller setzte sich Tanja an den Tisch statt in ihr Zimmer und kaute langsam. Noch immer war nichts von dem oder der Neuen zu sehen. Auch die Geräusche aus dem Zimmer hatten aufgehört.
\textit{Eigentlich}, dachte Tanja und kratzte die letzten Soßenreste von ihrem Teller, \textit{war es die Aufgabe des Neuen, sich vorzustellen.}
Beim Abwasch klapperte Tanja extra laut und versuchte, es einladend klingen zu lassen. Es war nicht ihr Stil, an anderen Türen zu klopfen und sich aufzudrängen. Sie hoffte, dass die Person von selbst herauskommen und sich vorstellen würde. Vielleicht würden sie sich gut verstehen? Vielleicht könnten sie sich zusammen das Feuerwerk ansehen, so wie sie es mit Jonathan gemacht hatte?
Mit einer frischen Tasse Tee und einem letzten Blick in Richtung der geschlossenen Zimmertüre, hinter der jetzt nichts mehr zu hören war, ging Tanja in ihr Zimmer zurück.
Der Duft von Zimt erinnerte sie an ihre Familie, und sie lächelte die dunkle Nacht vor ihrem Zimmerfenster an, in dem sie sich selbst spiegelte. Erst würde sie sich das Feuerwerk aus Sydney ansehen und danach alle anderen, die bereits Silvester gefeiert hatten.
Viel später schob sie ihren Laptop von sich weg, an dem sie Feuerwerkvideos aus anderen Ländern anschaute.
Sie lehnte sich gegen die Wand in ihrem Bett zurück und starrte an die Decke, die im Lichtschein des Laptopbildschirms fahl, grau und weit weg wirkte.
Stück für Stück kam das Neue Jahr näher zu ihr.
Sie schaute aus ihrem Fenster in die schwarze Nacht hinaus. Das Haus, in dem ihre WG im vierten Stock lag, stand am Stadtrand zum Wald hin. Wenn sie nach oben sah, schaute sie auf die Gardinenstange, an den zurückgezogenen Gardinen vorbei auf ein paar Sterne.
Es war eine sternklare, kalte Nacht. Schaute sie tiefer, sah sie die Spitzen der Tannen und dazwischen schemenhaft nackte Äste von Laubbäumen.
Ein wundervoller Ausblick im Frühling, wenn alles blühte, und im Herbst, wenn alles bunt wurde. Im Sommer wehte ein kühler Luftzug vom Wald herüber, zu dem sie das Fenster offen ließ und sich daran erfrischte.
Nur zu Silvester war der Ausblick schlecht!
Im Wald zündete niemand ein Feuerwerk an. In den Dörfern, die hinter dem Wald lagen vielleicht, aber das sah sie über Baumspitzen nicht. Tanja selbst kaufte keines, weil sie sich nicht mit explosiven Feuerwerkskörpern umgehen wollte. Viel lieber sah sie das Feuerwerk aus der Entfernung an. Dann sah sie auch die schönen Lichter, die sich über den Himmel verteilten, viel besser.
Draußen, irgendwo, krachte es. Die ersten Böller hatte sie schon früher am Abend gehört. Auch das war vermutlich ein Knallfrosch oder ein Böller von jemand Ungeduldigem. So wie den ganzen Abend irgendwo jemand knallte und böllerte. Das gehörte dazu.
Tanja wippte mit ihren Knien auf der Matratze auf und nieder. Sie stemmte ihre Hände in die Bettdecke und schaute auf die Feuerwerkvideos aus anderen Ländern, die sie auf mehreren Fenstern verteilt hatte und gleichzeitig ansah.
Sollte sie selbst hinübergehen und klopfen? Sich vorstellen? Fragen, ob sie gemeinsam das Feuerwerk aus dem Fenster anschauen sollten?
War die neue Person schüchtern?

Ende der Leseprobe „Begegnung zu Silvester“


Den Kurzroman »Begegnung zu Silvester« findest du bei allen üblichen Online Händlern als eBook. An vielen Stellen wirst du auch die Taschenbuchausgabe finden.
Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.
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