Orakel der Liebe


Angelique entdeckt während dem gemeinsamen Wachsgießen neue Gefühle für ihre beste Freundin Theresa. Riskiert sie ihre Freundschaft, um diese Liebe zu erkunden?


Diese Silvesterparty unter Freunden stellte Angelique sich anders vor. Sie sitzt beim gemeinsamen Wachsgießen ganz verspannt neben ihrer besten Freundin Theresa.

Bis Theresa mit ihrer Hand sanft über Angeliques Oberschenkel streicht. Angelique entspannt sich, wie immer, wenn Angelique das tut. Nicht wie immer fühlt sich das unerwartete, warme Kribbeln an, welches sich heute in ihr ausbreitet.

Das darf nicht sein! Theresa schwärmt immer von muskulösen Männern! Es gibt keine Chance für Angeliques rasantes Herzklopfen. Doch warum lässt Theresa ihre Hand heute auf ihrem Oberschenkel liegen?

Liegt es am vertraulichen Kerzenlicht beim Wachsgießen? Am Silvesterabend? Angelique muss sich entscheiden: Theresa ansprechen und ihre Gefühle gestehen, mit dem Risiko, ihre Freundschaft zu zerstören?

Eine zarte, lesbische Silvesterkurzgeschichte von besten Freundinnen, die eine neue Dimension von Gefühlen füreinander entdecken.

Leseprobe

Vier rote Kerzen, die Überbleibsel vom diesjährigen Adventskranz, standen auf dem blanken Holztisch der Gastgeberin. Ihre hellen, gelben Flammen brannten hoch und tauchten den Raum in ein warmes Licht. Das einzige Licht, denn die LED-Lampe an der Decke, war ausgeschaltet. Durch das breite Wohnzimmerfenster leuchtete das Silvesterfeuerwerk herein, welches Ungeduldige am frühen Abend zündeten. Jene, die nicht bis Mitternacht warten konnten oder wollten.

Angelique saß auf einem Stuhl, der ebenfalls aus nacktem Holz war und keinerlei weiches Sitzpolster anbot. Immerhin hatte der Stuhl eine Lehne aus Holzstreben. Letztes Mal, als sie hier zu Gast gewesen war, mussten sie alle auf dem Fliesenboden sitzen, weil der Tisch nach dem Umzug noch nicht aufgebaut war.

»Seid ihr alle bereit?«, fragte Monika, die Gastgeberin des heutigen Treffens, in die Runde.

Angelique nickte genauso wenig wie Theresa, die neben ihr auf einem Holzstuhl um den großen, rechteckigen Tisch herumsaß. Sosehr sie Monika leiden mochte, heute war das nicht der Fall.

Wenn sie gekonnt hätte, wie sie wollte, wäre Angelique aufgestanden und gegangen. Was sollte dieses geheimnisvolle Abdunkeln des Raumes und diese Frage, ob alle bereit waren?

Sie war hier, weil sie mit ihren Freunden Silvester feiern und das Neue Jahr begrüßen wollte. Nicht, weil sie Monika Gelegenheit geben wollte, ihren magischen Humbug auszuprobieren. Hoffentlich kam sie nicht wieder auf die Idee, Orakelkarten zu ziehen oder aus der Hand zu lesen. Das war beim letzten Mal ein Chaos gewesen, das darin endete, dass Monika sie mit Theresa verkuppeln wollte.

Trotzdem schwieg Angelique.

Beim letzten Mal hatte es Streit gegeben, als sie das Ganze als abergläubischen Humbug bezeichnet hatte. Schließlich wussten alle, dass Theresa auf muskulöse, große Männer stand. Wie sie selbst. Gemeinsam schwärmten sich für Filmstars und schauten sich beim Training im Fitnessstudio gerne die Werbefotos an, oder die jungen Männer, die ohne T-Shirt an den Laufbändern vorbeiflanierten.

Selbstverständlich begutachtete Angelique den eigenen Fortschritt im Fitnessstudio und scheute dabei nicht den Blick auf andere Frauen. Ganz besonders Theresas Körper konnte sie regelmäßig von oben bis unten bewundern: durchtrainierte Arme und Waden, die sacht angedeuteten Bauchmuskeln und die schönen, runden Brüste. Ein langer, schmaler Rücken, den sie immer gerne massierte. Dazu blonde Haare und ein wunderschönes Lächeln, das ihr regelmäßig aus den funkelnden, blauen Augen strahlte.

Theresa, fand Angelique, war auf jeden Fall einen zweiten, dritten oder zehnten Blick wert und wunderschön. Warum sie keinen festen Freund gefunden hatte, verstand niemand aus dem losen Freundeskreis, der um den Tisch herum saß.

Angelique dagegen verstand das sehr genau. Es war der gleiche Grund, weswegen sie selbst ebenfalls keinen Freund hatte: Ekel.

Männer stanken und benahmen sich regelmäßig ekelhaft. Sobald sie sich in einer Liebesbeziehung befanden, verschwand alles Liebenswerte an ihnen. Selbst die durchtrainierten Muskeln, die sie an ihnen bewunderte, wurden schnell zu schwabbeligen Bäuchen.

Monika stellte eine Metallschüssel mit Wasser auf den Tisch, legte einen Löffel daneben und eine zweite Schüssel, in der weiße Halbkugeln lagen.

Angelique lenkte ihre Gedanken zurück in die Gegenwart und auf das Geschehen vor sich. Hoffentlich ging Monikas Vorführung heute schnell und sie konnten dann zu der echten Silvesterparty übergehen. Hoffentlich versuchte Monika nicht wieder, sie und Theresa zu verkuppeln.

»Willst du uns ein paar sexy Sixpacks von den Männermodels des vergangenen Jahres zeigen?«, fragte Angelique schnell, um jeden heimlichen Gedanken bei ihrer Gastgeberin zu vertreiben und sie daran zu erinnern, dass sie auf Männer stand.

Auf keinen Fall würde Angelique irgendetwas anderes zugeben. So wenig wie Theresa, ihre beste Freundin, die auf dem harten Holzstuhl neben ihr saß und sie mit einer missbilligend hochgezogenen Augenbraue ansah.

Eine stumme Erinnerung.

Angelique nickte.

Sie lehnte sich an die hölzerne Lehne zurück, die hart gegen ihre Schultern drückte.

Heute Morgen hatte Theresa sie deswegen extra angerufen und ihr erklärt, dass sie sich zu benehmen hatte. Außerdem hatte Theresa ihr einen langen Vortrag darüber gehalten, dass Silvester an ein Fest war, welches auf abergläubischem Humbug beruhte. Wer glaubte an Geister, die zum Jahreswechsel vertrieben werden mussten?

Eben!

Angelique hatte ihr zustimmen müssen. Obwohl sie nicht daran glaubte, feierte sie Silvester, weil es Spaß machte, sich mit Freunden zu treffen und die Nacht durchzumachen.

Also presste sie jetzt ihre Lippen aufeinander, um nichts weiter zu sagen, und saß stocksteif auf ihrem Stuhl, damit sie ihre Meinung auch nicht mit einer Körperbewegung kundtat.

Monika ignorierte ihren Kommentar und rückte das Tablett mit den vier roten Kerzen in der Tischmitte zurecht, bevor sie theatralisch ihre Hände ausbreitete.

Eine warme Hand legte sich auf Angeliques Oberschenkel.

Schnell sah sie hinunter.

Es war die Hand von Theresa, die neben ihr saß.

Angelique schaute zu Theresa, die aufmerksam Monika zusah. Angelique folgte ihrem Beispiel und sah ebenfalls zu Monika hinüber, die jetzt die Schüssel mit Wasser umherschob und dann den Löffel daneben ausrichtete.

Nach welchem Muster, das konnte Angelique nicht erkennen.

Warm und zartgliedrig spürte Angelique die Berührung von Theresas Hand durch den dicken Stoff ihrer Jeanshose hindurch.

Eine beruhigende Berührung, die ihr ein schmales Lächeln ins Gesicht zauberte.

Trotzdem schaute sie weiter in die Kerzenflamme. Wenn sie jetzt nochmals zu Theresa hinübersah, würde Monika wieder damit anfangen, dass sie von Anfang an gewusst hatte, dass sie beide füreinander bestimmt waren.

Das Argument, dass sie beide seit Jahren single waren, zählte in Angeliques Augen wenig. Was sollte sie mit einem Mann, den sie nach kurzer Zeit ekelhaft fand? Nichts. Darum hatte sie sich keinen Freund zugelegt.

»Wunderbar«, sagte Monika, klatschte in die Hände und strahlte die Runde an, in der vier weitere Freunde saßen. »Dann können wir jetzt mit dem Wachsgießen beginnen.«

Angelique hob die Augenbrauen.

Wachsgießen? Für so etwas Unmagisches hatte Monika diesen Aufwand betrieben?

Immerhin versuchte sie es nicht mit Orakelkarten.

Angelique entspannte sich etwas und genoss das zarte Streicheln von Theresas Hand auf ihrem Oberschenkel.

»Das klingt super«, sagte Thomas, der auf Angeliques anderer Seite saß, mit mehr Begeisterung, als sie erwartet hatte. Klang da die gleiche Erleichterung mit, die sie selbst empfand, weil Monika jetzt nicht ihre magischen Orakelfähigkeiten vorführen wollte?

Wie auch immer. Wachsgießen fand Angelique ungefährlich. Auch, wenn für ihren Geschmack der Raum dazu nicht hätte abgedunkelt werden müssen.

Sie schaute in die goldgelben Flammen der roten Kerzen. Eine knisterte, als das Wachs nicht so verbrannte, wie es sollte. Es roch nach brennenden Kerzen und heißem Wachs. Jetzt ergaben der Löffel daneben, zusammen mit der Schüssel Wasser und der Schale mit weißen Halbkugeln, einen Sinn. Vermutlich waren die Halbkugeln aus Wachs.

»Wer möchte anfangen?«, fragte Monika. »Es ist einfach. Ihr legt eine Halbkugel Wachs auf den Löffel, haltet ihn über die Flamme, bis er geschmolzen ist, und kippt das flüssige Wachs ins Wasser. Dann hole ich das Ergebnis heraus und interpretiere es für euch.«

Angelique verdrehte die Augen.

Da war die magische Komponente. Als ob sie nicht selbst in der Lage wäre, ihre Wachsfigur zu interpretieren. Wachsgießen war ein lustiges Partyspiel, kein Liebesorakel oder sonst etwas Magisches.

Theresas warme Hand strich beruhigend auf Angeliques Oberschenkel auf und ab.

Vom Knie bis zur Hüfte.

Warm, vertraut und beruhigend.

Fast.

Theresas Hand streichelte viel zu hoch, um beruhigend zu sein. Besonders, weil ihre langen, geschmeidigen Finger auf der Innenseite von Angeliques Oberschenkel lagen, während die Handfläche auf ihrem Oberschenkel lag.

Was hatte Theresa vor?

Angelique traute sich nicht, sie zu fragen, oder ihre Hände vom Tisch zu nehmen und Theresas Hand zu verschieben. Beides hätte Monikas Aufmerksamkeit, und die aller anderen, auf sie gelenkt.

Sie schluckte und atmete langsam ein und aus.

»Ich fange an«, sagte Thomas und griff nach dem Löffel.

Thomas zog das Tablett mit den Kerzen schabend über den Holztisch.

Die Metallschüssel klapperte, als er sie neben sich abgestellte.

»Denk beim Schmelzen des Wachses an deine wichtigste Frage für das Neue Jahr. Worauf möchtest du eine Antwort erhalten? Was willst du wissen?«, sagte Monika. »Das Wachs wird deine Frage über deine Energie erhalten und sich entsprechend zu einer Antwort formen.«

Die anderen am Tisch nickten, als würde das für sie alle Sinn ergeben und ausgesprochen logisch klingen.

Angelique spürte, wie Theresas Hand auf ihrem Oberschenkel auf und ab strich. Langsam drückte sie mit den Fingerspitzen stärker und schwächer zu. Fast wie bei einer Massage.

Konnte Theresa spüren, wenn sie eine Aussage für total durchgeknallt hielt?

Orakel der Liebe

Ende der Leseprobe „Orakel der Liebe“

Die Kurzgeschichte »Orakel der Liebe« findest du bei allen üblichen Online Händlern als eBook. An vielen Stellen wirst du auch die Taschenbuchausgabe finden.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.
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